Linux installieren

Linux ist komfortabel geworden. Das gilt nicht nur für die Vielfalt und Anwenderfreundlichkeit der Programme, sondern auch für die Installations-Routinen. Dank gut ausgearbeiteter Dokumentationen (z.B. das Ubuntu-Wiki) lässt sich heute in kurzer Zeit und ohne Grundkenntnisse ein gut funktionierendes Linux-System einrichten.

Auswahl einer Linux-Distribution

Als Distribution wird im Software-Bereich eine Zusammenstellung von Software zu einem gut nutzbaren Gesamtpaket bezeichnet. Die Vielzahl an Linux-Distributionen[1] unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch, welche Programme grundsätzlich installiert sind, wie häufig Updates erfolgen und wie viel Konfigurationen der Benutzer gewöhnlich manuell vornehmen möchte.

In Deutschland laufen die meisten Server mit der Distribution Debian; bei den Privat-PCs zählen die auf Debian basierenden Distributionen Ubuntu und Linux Mint zu den beliebtesten Systemen. Alle Tips dieser Notizen-Sammlung beziehen sich auf diese einander weitgehend ähnlichen Systeme.

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Wie Linux letztendlich “aussieht”, hängt nur bedingt von der Distribution ab. Die graphische Bedienoberfläche und das eigentliche Betriebsystem sind – anders als bei Windows – zweierlei Dinge. Das Betriebsystem Linux unterstützt eine Vielzahl an Bedienoberflächen (“Desktop-Umgebungen”), die sich auch nach der Installation jederzeit austauschen lassen. Die wohl bekanntesten Bedienoberflächen sind GNOME und KDE. Persönlich nutze ich derzeit bevorzugt die unter Linux Mint übliche (auf GNOME basierende) Oberfläche Mate.

Die Basis-Installation

Ein Linux-System zu installieren ist heute dank moderner Hardware-Erkennung und graphischer Installations-Assistenten denkbar einfach. Das Installations-Schema ist bei fast allen Distributionen gleich:

  1. Man lädt sich von der jeweiligen Homepage eine ISO-Image-Datei herunter. Persönlich bevorzuge ich derzeit Linux Mint Ubuntu Edition mit Mate-Desktop. Je nach Hardware muss die 32- oder 64-Bit-Variante gewählt werden.[2]
  2. Man erstellt aus diesem Image mit einem beliebigen Brennprogramm eine bootbare CD beziehungsweise mit UNetBootin einen bootbaren USB-Stick. Eine gute Anleitung zur Erstellung eines Ubuntu-USB-Sticks, die mit Linux Mint genauso funktioniert, findet sich hier.
  3. Man bootet den Rechner mit eingelegter Boot-CD beziehungsweise angestecktem Boot-USB-Stick neu.

Die Boot-Reihenfolge wird vom BIOS des Rechners festgelegt. Entsprechende Einstellungen werden im BIOS-Menü vorgenommen, das sich bei einem Neustart des Rechners meist mit F2 (manchmal auch mit F8) öffnen lässt. Je nach ausgewählter Distribution erscheint automatisch ein Installations-Assistent (Debian), oder es wird ein Live-System gebootet (Ubuntu beziehungsweise Linux Mint), in dem der Installations-Assistent als Icon auf dem Desktop zu finden ist.

Zu Beginn der Installationsroutine legt man den Benutzernamen mit dazugehörigem Passwort und bevorzugte Einstellungen (Tastaturlayout, Zeitzone, etc.) fest. Nachträgliche Änderungen dieser Einstellungen sind auch später ohne Aufwand möglich.

Der wichtigste Schritt der Installation besteht anschließend in der Festlegung der zu nutzenden Festplattenpartitionen. Diese lassen sich wahlweise automatisch oder von Hand mittels eines integrierten Partitionsprogramms einrichten. Der Installations-Assistent führt die Grundinstallation daraufhin vollautomatisch durch.

Empfehlenswert: Partitionen manuell einrichten

Bei einer nicht-automatischen Festlegung der Partitionen ist, sofern genügend Festplattenspeicher vorhanden ist, folgende Partitionierung sinnvoll:

  • Eine mittelgroße Partition (min. 10 GB, max. 30 GB) mit Einhängepunkt / für das Basis-System
  • Eine beliebig große Partition (min. 10 GB) mit Einhängepunkt /home für eigene Dokumente, Konfigurationsdateien, etc.
  • Empfehlenswert: Eine kleine Partition (2 bis 5 GB) als swap (Erweiterung des Arbeitsspeichers)
  • Optional: Eine beliebig große Daten-Partition (ohne bei der Installation festgelegten Einhängepunkt) für gemeinsam genutzte und/oder verschlüsselte Dateien
  • Optional: Nicht verwendeter Speicherplatz für ein weiteres, parallel installierbares oder bereits installiertes Betriebsystem[3]

Eine separate /home-Partition bietet den Vorteil, dass das System jederzeit neu installiert werden kann, ohne dass eigene Daten und Einstellungen davon berührt werden. Das gilt ebenso für Systeme mit mehreren Benutzern.

Für die / beziehungsweise /home-Partition empfiehlt sich als Dateisystem EXT-4, da es sehr schnell, sehr stabil und quasi wartungsfrei ist. Für Daten-Partitionen empfiehlt sich ebenfalls EXT-4 als Dateisystem, solange man nur mit Linux darauf zugreifen möchte. Falls man die Daten auch unter Windows oder MacOS nutzen mag, muss FAT32 als Dateisystem verwendet werden. FAT32 verfügt allerdings über keine Unterstützung von nützlichen Symlinks und bietet keine Unterscheidung von Groß- und Kleinschreibung.

Passwortgeschützte Partitionen

Linux ist als Betriebsystem verhältnismäßig sicher. Lässt man jedoch beispielsweise ein Notebook unbeaufsichtigt liegen, so helfen die besten Konfigurationen nichts, um vertrauliche Daten vor unbefugtem Fremdzugriff zu schützen. Eine Festplatte kann einfach ausgebaut und extern an einen anderen PC angeschlossen werden, und schon sind alle Daten (Passwörter, evtl. Onlinebanking-Daten, Emails, etc.) frei abrufbar...

Wer private Daten in einem passwortgeschützten (“verschlüsselten”) Bereich ablegen möchte, kann sich unter Linux für eine der folgende Möglichkeiten entscheiden:

Partition-Verschlüsselung:

Die Partition kann bereits während der Installation – ohne Festlegung eines Einhängepunktes – auf einem freien (unformatierten) Bereich eines Datenträgers angelegt werden.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie verhältnismäßig einfach einzurichten und die verschlüsselte Partition unabhängig vom System ist. Somit kann der geschützte Bereich auch auf einem laufenden Rechner verschlossen bleiben.

Nachteilig bei dieser Methode ist, dass jeder Unbefugte mit Hardware-Zugriff das Betriebsystem ohne Hindernis verändern kann, beispielsweise um Trojaner oder Keyboard- beziehungsweise Datenlogger zu installieren.

System-Verschlüsselung:

Beim Start erscheint eine Passwort-Abfrage. Erst wenn das Passwort richtig eingegeben wurde, wird die Systempartition entschlüsselt, und der Rechner bootet.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass kein Unbefugter Zugriff auf Teile des Systems oder der persönlichen Dateien hat – sofern er den Rechner ausgeschaltet vorfindet.

Nachteilig bei dieser Methode ist, dass sie einem Rechner im laufenden Betrieb – die Systempartition ist wohl immer geöffnet – keinerlei Schutz bietet. Darüber hinaus setzt diese Methode setzt einige Linux-Kenntnisse voraus und ist für Anfänger ungeeignet.

Darüber hinaus ist es möglich, mittels Truecrypt passwortgeschützte Daten-“Container” zu erstellen. Diese können nach der Installation auf einer beliebigen Partition eingerichtet werden und sind auch auf anderen Betriebsystemen nutzbar.

Der Vorteil bei der Verwendung von truecrypt liegt darin, dass – im Gegensatz zu den obigen Methoden – auch Windows- und MacOS-Systeme auf den passwortgeschützten Bereich zugreifen können.

Als Nachteil ist zu nennen, dass das Erstellen eines Containers – je nach Größe und Rechnerleistung – mehrere Stunden dauern kann; truecrypt wird zudem nicht mehr aktiv weiterentwickelt.

Zusatzpakete installieren

Nach einer erfolgreichen Basis-Installation werden üblicherweise noch weitere Anpassungen vorgenommen. Im Wesentlichen gibt es dafür zwei Gründe:

  • Einerseits mag man als Nutzer zusätzliche Software gemäß den eigenen Vorlieben installieren. Die Menge an verfügbarer Software passt allerdings nicht unbedingt auf eine CD, eine DVD, oder einen USB-Stick. Die Programme werden darüber hinaus beständig weiter entwickelt und sind möglicherweise in der Zwischenzeit aktualisiert worden.
  • Andererseits werden je nach Linux-Distribution nur Software-Pakete mitgeliefert, die bestimmten Kriterien genügen (beispielsweise gewisse Lizenzbedingungen aufweisen). Manche wichtigen Pakete müssen daher, selbst wenn sie frei verfügbar sind, manuell installiert werden.

Paketverwaltung mittels graphischer Bedienoberfläche

Je nach Linux-Distribution gibt es unterschiedliche graphische Verwaltungsprogramme, mit denen Programme installiert, aktualisiert oder auch wieder entfernt werden können:

  • Unter Ubuntu gibt es Synaptic,
  • Unter Linux Mint gibt es zusätzlich das Programm mintinstall, das auf Synaptic aufbaut und eine sehr komfortable (aber etwas langsame) graphische Oberfläche bietet.

Die obigen Programme sind nur nutzbar, wenn der angemeldete Benutzer sich zeitweise auch SuperUser-Rechte geben darf; gibt es nur einen Benutzer-Account, den man bei der Installation selbst eingerichtet hat, so ist dies bei diesem Account stets der Fall.[4] Man muss lediglich beim Start der Anwendungsverwaltung das eigene Benutzerpasswort eingeben, um die Anwendung im SuperUser-Modus laufen zu lassen.

Die graphischen Anwendungsverwaltungs-Programme sind ohne weitere Einarbeitung intuitiv mit der Maus bedienbar:

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  • Man klickt zunächst auf die jeweilige Programm-Kategorie (beispielsweise Graphik und Bildbearbeitung), um alle entsprechenden verfügbaren Programme aufzulisten.
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  • Klickt man dann auf gewünschte Programm, so bekommt man eine detailierte Ansicht, ob das Programm installiert ist, welche Funktionen das Programm bietet, und welche Bewertung es durchschnittlich von Benutzern bekommen hat.
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Gleich unter der Hauptüberschrift befindet sich eine Status-Zeile, über die das jeweilige Programm mit einem Klick installiert oder wieder entfernt werden kann.

Paketverwaltung mittels apt

Die graphischen Verwaltungs-Programme von Linux Mint, Ubuntu und Debian nutzen indirekt die Shell-Anwendung apt (“Advanced Packaging Tool”) zur Verwaltung und Aktualisierung der installierten Programme und Code-Bibliotheken (siehe auch Ubuntuusers-Wiki).

In einer Shell kann apt auch direkt auf einfache Weise genutzt werden. Es gibt dabei folgende Möglichkeiten, das Programm aufzurufen:

  • Mit apt-get update kann die Liste der verfügbaren Pakete aktualisiert werden. Hierzu prüft apt, ob die
  • Mit apt-cache search suchbegriff ein in Frage kommenden Paket suchen,
  • Mit apt-get install paketname ein verfügbares Paket installieren.

Zur Vereinfachung ist das Programm aptitude empfehlenswert.[5] So lassen sich die beiden Aufruf-Varianten apt-get und "apt-cache" durch den entsprechenden aptitude-Befehl ersetzen:

# Programm suchen:
aptitude search suchbegriff

# Programm installieren:
aptitude install paketname

Wird versucht mittels sudo aptitude install paketname ein Programm zu installieren, das bereits installiert ist, so bleibt der Aufruf ohne Wirkung; mittels sudo aptitude purge paketname kann ein Programm wieder deinstalliert werden.

Weitere Infos zur Verwendung von apt gibt es im Abschnitt Administrator-Programme


Anmerkungen:

[1]

Je nach Vorliebe und Anwendungszweck bietet sich ein weites Spektrum an Distributionen:

  • “Live”-Systeme (beispielsweise Knoppix):

    Einige Linux-Varianten sind darauf ausgelegt von einem externen Datenträger (CD, USB-Stick) geladen und ohne Installation von diesem aus genutzt zu werden.

  • Extrem konfigurierbare Distributionen (beispielsweise Gentoo, Arch):

    In manchen Distributionen ist es normal, den Linux-Kernel und die Programme stets selbst aus dem Quellcode zu compilieren, d.h. in ausführbaren Maschinencode zu übersetzen. Dies bietet eine maximale Kontrolle über die laufenden Programme und kann erhebliche Geschwindigkeitsvorteile im laufenden System mit sich bringen. Um das Potential derartiger Distributionen auch ausschöpfen zu können, sollte man allerdings ausreichend mit Linux- und Hardware-Grundlagen vertraut sein.

  • Distributionen von kommerziellen Anbietern (beispielsweise Red Hat Enterprise, Fedora, Mandrivia):

    Diese Distributionen werden von Firmen entwickelt und gepflegt und sind insbesondere für Geschäftskunden interessant, die darauf angewiesen sind, jederzeit einen kommerziellen technischen Support in Anspruch nehmen zu können.

[2]

Ältere Rechner mit einem einzelnen Prozessor (beispielsweise Intel Celeron, Intel Core2Duo, Intel Atom) benötigen ein 32-Bit-System, neuere Multi-Core-Prozessoren hingegen ein 64-Bit-System.

Ist man sich nicht sicher, welcher Systemtyp der passende ist (beispielsweise weil man nicht weiß, was für ein Prozessor eingebaut ist), so kann eine entsprechende Suchmaschinen-Anfrage weiterhelfen. Darüber hinaus kann auch ein (versehentlicher) Versuch, einen Rechner mit einem nicht passenden System zu booten, keinerlei Schaden anrichten, denn er wird unmittelbar unterbrochen und eine entsprechende Fehlermeldung ausgegeben.

[3]

Linux lässt sich auch parallel zu einem bestehenden Windows-System installieren. Hierzu nutzt man am besten eine eigene Festplatte oder legt mit dem Installations-Assistenten eine neue EXT-4-Partition an (min. 15 GB) und installiert Linux in diesen Bereich; auch zwei neue Partitionen mit den Einhängepunkten / für das Grundsystem und /home für persönliche Dateien sind als Variante möglich. Nach einer ueblichen Installation lässt sich anschließend bei jedem Rechnerstart in einem Menü auswählen, welches Betriebsystem gestartet werden soll.

Achtung: Bei einer Veränderung einer bestehenden Partition – beispielsweise einer Verkleinerung, um Platz für eine neute Partition zu schaffen – lässt sich ein Datenverlust niemals völlig ausschließen. Eine Sicherheitskopie bestehender Daten ist daher auf alle Fälle empfehlenswert!

Linux kann lesend und schreibend auf alle Windows-Dateien und zugreifen. Windows kann jedoch nicht mit Linux-Dateisystemen umgehen, da es beispielsweise nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung in Dateinamen unterscheidet. Möchte man auf bestimmte Daten mit beiden Systemen zugreifen, so müssen diese folglich auf einer Windows-Partition liegen.

[4]Fügt man als SuperUser weitere Accounts hinzu, so kann man entscheiden, ob diese sich ebenfalls temporär SuperUser-Rechte verschaffen dürfen.
[5]Unter LinuxMint und Ubuntu ist aptitude bereits vorinstalliert. Unter Debian kann es mittels sudo apt-get install aptitude nachinstalliert werden.